Der verlorene Sohn

Wacken, Schleswig-Hol-stein: Das 2.000-Seelen Dorf ist jedes Jahr Mittelpunkt des größten Heavy-Metal-Festivals der Welt.
In den 90ern veranstaltete Stefan Hattinger in Wels die „underground-Festival”-Reihe, die damals erfolgreicher war als das ebenfalls in den Anfangsjahren gewesene Wacken.

Doch Hattinger war für viele Neider in Wels zu erfolgreich. Man bekämpfte ihn mit allen Mitteln bis zu einem Alkoholverbot auf seinem Festival. Die Politik und besonders der damals zuständige Stadtrat versündigte sich an der Stadt und ebnete den tiefen Fall von Wels zu einer toten Stadt.
Hätte man Hattinger keine Steine in den Weg gelegt, würde wahrscheinlich das größte Heavy-Metal-Festival der Welt in Wels stattfinden. Wacken hat sich mittlerweile auf rund 85.000 Menschen, davon 75.000 zahlende Besucher, gemausert.

Erfolgreich in Österreich und Deutschland
Hattinger zog damals mit seinem Unternehmen APE nach Salzburg. Vorher war es im Alten Schl8hof in Wels untergebracht.
Mittlerweile heißt Hattingers Unternehmen ROCK THE NATION und hat sich neben Salzburg auch in Leipzig angesiedelt. Das Unternehmen organisierte unzählige Rock-Festivals im mitteleuropäischen Raum. Derzeit ist Hattinger besonders in Deutschland aktiv. Nebenbei gibt es eine Ticketfirma und eine Künstleragentur, bei denen Namen wie Rammstein unter Vertrag sind.

Comeback in Wels?
Beim ersten Teil der Veranstalter-Gespräche mit Bürgermeister Koits meinte Hattinger, dass er sich trotz der Verunglimpfungen seitens bornierter Politiker und Anhang doch wieder vorstellen könnte, in Wels Konzerte zu veranstalten. Aber die Stadt muss sich zu 100% dazu bekennen und auch Rechtssicherheit für alle Veranstalter gewähren.

Veranstaltungsmanagement
Wie bereits von der „Monatlichen” in ihren letzten Ausgaben berichtet, ist ein Veranstaltungsmanagement wichtig für die Kommunikation zwischen Behörden und Veranstaltern. Aber es benötigt auch ein klares Bekenntnis der Stadt zu den Veranstaltungen.

Welios und Veranstaltungsmanagement in einem Unternehmen?
Auch FP-Spitzenkandidat Andreas Rabl hatte Interesse an Hattingers Vorschlägen. Rabl selbst will die Verwaltung des Science Centers Welios in den Messeturm übersiedeln. Gleichzeitig sollte die Welios-Betriebsgesellschaft in ein Veranstaltungs- und Scie-nce-Center-Betriebsunternehmen umgewandelt werden. Da man das Welios verkleinern will, sollte man laut Rabl die frei werdenden Kapazitäten nützen um ein Eventmanagement aufzubauen, welches neben der Messe Wels auch das Messegelände bespielen sollte.

Wels: Negativbeispiel Europas
Hattinger betont, dass man den schlechten Ruf von Wels über lange Zeit wieder verbessern muss. Wels ist bis nach Berlin bekannt als No-Go für Veranstalter. Zuviel haben Beamte und Politik zerstört. „Die Überregulierung in Wels ist europaweit einzigartig”, so Hattinger. Die Stadt Wels ist also in der Eventbranche das Negativbeispiel schlechthin.
Langjähriger Aufbau. Diesen Ruf wieder umzukehren wird ein langer Weg sein, so Hattinger. Aber er würde es wieder probieren. Trotzdem hat er noch immer Angst, dass ihm selbiges geschieht wie in den 90ern. Darum fordert er auch klare und langfristige Zusagen der Stadt für Veranstalter. „Sonst sind es nur Lippenbekenntnisse zwecks Wahlkampf”, meint der Eventprofi.

Open-Air-Gelände
Für die Zukunft benötigt man auch ein Open-Air-Gelände. Dazu hat auch Vzbgm. Rabl eine Idee: Der Trabrennplatz wird in den nächsten Jahren an den Stadtrand übersiedeln.
Dort sollte auch Platz für große Festivals sein.