Wels Zeitung

Gregor Schanda: Krisen, Angst & Lösungen4 Min. Lesedauer

25. Januar 2023 3 Min. Lesedauer

Gregor Schanda: Krisen, Angst & Lösungen4 Min. Lesedauer

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Gregor Schanda, Inhaber der SCHANDA-Modehäuser in Wels, Kirchdorf und Steyr. Was viele nicht wissen: Schanda ist studierter Sozialwissenschafter und Unternehmensberater und beschäftigt sich mit Bewusstseinsforschung, Sozialpsychologie und Potenzialentwicklung. Das Verhalten vieler Menschen in der Krise beschäftigt ihn somit doppelt: wirtschaftlich und psychologisch.

Herr Schanda, Sie konnten als Inhaber von drei Modegeschäften in den Lockdowns nicht öffnen. Wie haben Sie die Krise erlebt?

Den ersten Lockdown erlebte ich mit gemischten Gefühlen. Einerseits wusste ich, dass das unternehmerisch sehr hart wird. Andererseits erlebte ich, dass die „Zwangsentschleunigung“ für die Gesellschaft auch gute Seiten hatte. Ich versuche immer, aus Krisen das Beste zu machen.

Ist Ihnen das gelungen?

In vielerlei Hinsicht: Ja. Ich habe aber im Laufe der Zeit auch viel gelernt über das Verhalten einer Gesellschaft in Angst. Wie auch schon Le Bon in seinem Klassiker „Die Psychologie der Massen“ schreibt, ist die Gefahr von Kollateralschäden und Manipulation groß, wenn ein Volk in Angst lebt. Das muss gar nicht immer Absicht sein, sondern passiert einfach.

Die Befürworter der Coronapolitik sagen, dass die Mehrheit der Experten diese notwendigen Schritte für wichtig erachtet haben und man Menschenleben retten musste.

Das steht ja außer Zweifel, dass die Gesunderhaltung der Menschen höchste Priorität hat. Genau deshalb muss bei einer so komplexen Sache wie einer Virusbekämpfung ein ausgewogenes Maß zwischen der Urgefahr Virus und der Gefahr durch Kollateralschäden durch Maßnahmen im Auge behalten werden.

Finden Sie, dass das die Politik gut gemeistert hat?

Das Ganze ist natürlich eine Mammutaufgabe und kann nie perfekt gelöst werden. Gleichzeitig vermisste ich auf der Seite einiger Verantwortungsträger sowie auch der Medien, dass wirklich ein breiter Diskurs geführt wurde über Verhältnismäßigkeit und Sinnhaftigkeit. Es wurden neue Erkenntnisse nicht zugelassen. Auch ein Phänomen, das man aus der Sozialpsychologie kennt: Wenn man einmal JA zu etwas gesagt hat, will man gegenläufige Argumente nicht mehr so leicht hören, sondern dieses JA immer wieder bestätigen. Das gilt natürlich für Politik und Medien wie auch für die Gesellschaft insgesamt.

Und wie sehen Sie die Rolle der Wissenschaft?

Das war für mich teilweise besonders bestürzend. Es wurde eingeteilt in die guten und die bösen Wissenschafter. Eine Vorgangsweise, die zumindest seit dem 2. Weltkrieg nicht denkbar gewesen wäre. „Die Wissenschaft und ihre Lehre ist frei“ steht auch im Staatsgrundgesetz und das wohl mit gutem Grunde. Man schaue nur auf die Erkenntnistheorie und wie Wissenszuwachs am besten entsteht. Wenn Wissenschaft zu einem Sprachrohr wird, verlässt man bereits das Feld einer modernen Gesellschaft.

Haben Sie das Gefühl, dass sich viele Menschen der Gefahren eines gesellschaftlichen Umbaus bewusst sind?

Teilweise. Oft scheint es so, dass bodenständige Menschen mit einem guten Gespür im Vorteil sind – die heutzutage so verschmähte Intuition. Fachleute haben natürlich den Vorteil, sehr viele Details über eine Sache zu wissen. Bei der Verknüpfung zu einem größeren Gesamtbild steht ihnen das Expertentum aber manchmal auch im Wege.

Ein Problem, das die Politik generell kennt. Dietrich Dörner beschrieb das schon in seinem Buch „Die Logik des Misslingens.“ Das Buch behandelt eine ganze Litanei von Beispielen, wie in bester Absicht etwas begonnen wurde, jedoch katastrophale Ergebnisse hatte.

Wollen Sie damit behaupten, dass Bildungskritiker oft als wissenschaftsfeindliche Idioten hingestellt wurden?

Ja, eine der Entgleisungen in dieser Zeit. Natürlich muss man nicht inhaltlich jedes vorgebrachte Argument für richtig halten. Aber gerade als aufgeklärte Gesellschaft sollte man sich mit den Meinungen anderer auseinandersetzen. Dieses Korrektiv ist verlorengegangen. Jeder lebt vielmehr in seiner eigenen Blase.

Sehen Sie auch Chancen durch die Krise?

Ja, jedem Problem wohnen auch eine Lösung und eine Chance inne. Vielleicht gibt es die Chance, dass mehr Menschen eine Zufriedenheit entwickeln, ohne immer höher, schneller und weiter zu müssen. Auch wenn der expansive Charakter des Menschen in seiner Persönlichkeitsentwicklung durchaus normal ist, kann „Weniger auch manchmal mehr sein.“ Das gilt etwa auch für unsere Branche. Zuviel Menge war schon am Markt. Eine Wegwerfmentalität wurde dadurch gefördert, die nicht unbedingt zu mehr Zufriedenheit führt, aber andere negative Nebenwirkungen hat.
Die Frage ist, wie man diesen gesellschaftlichen Umschwung erreichen will. Im Namen des Guten wird ein gesellschaftlicher Umbruch heraufbeschworen, der zwar einiges Positive bringt, aber auf Kosten von Individualität und Freiheit.

Was bedeutet das konkret?

Wenn wir die Freiheit für ein nachhaltigeres Wirtschaftsmodell aufgeben, kann das sehr schnell in die falsche Richtung gehen. Egal, wie die Zukunft aussehen soll, man muss den Weg gemeinsam mit den Menschen gehen. Die Grundpfeiler unserer demokratischen Gesellschaft müssen gewahrt bleiben: von der Meinungs- und Pressefreiheit bis hin zur Achtung der Privatsphäre. Diese wichtigen Werte werden leider immer mehr mit Füßen getreten. Selbst wenn es vermeintlich um ein ehrenwertes Ziel geht, darf man diese Grundrechte nicht begraben. Dieser Fehler wurde in der Vergangenheit allzu oft gemacht.