Interview: Arbeitsmoral am Wirtschaftshof

Markus Löffler gab in unserer letzten Ausgabe ein Interview über seinen Job als Türsteher. Im Gespräch sind wir aber noch auf ein weiteres interessantes Thema gestoßen, welches wir Ihnen nicht vorenthalten wollen.

Im Jahr 2000 bekam Löffler einen Ferialjob beim städtischen Wirtschaftshof. Genauer gesagt bei der Straßenmeisterei. Was er dort erlebte, schildert er in folgendem Interview.

Herr Löffler, wie haben Sie Ihren Ferialjob erhalten?
Wie in Wels üblich: durch Beziehungen.

Wie war der Ablauf des ersten Arbeitstages?
(lacht) Arbeitstag? Der war gut. Wir sind zu einer Baustelle in der Porzellangasse gefahren, wo die Parkplätze erneuert wurden.
Die gelieferten Randsteine für die Gehsteigbefestigung mussten in das Fundament gesetzt werden. Ich habe die Scheibtruhe mit Steinen angefüllt, bis mir ein Mitarbeiter gesagt hat, ich solle wieder ein paar Steine herausgeben, da wir auch noch am Nachmittag Arbeit benötigen.

Das war vielleicht ein Scherz?
Nein, er hat das ernst gemeint und ich habe die Steine wieder auf den Haufen legen müssen.

Wie lange dauerte ihr Ferialjob?
3 Wochen.

Gab es solche Vorfälle öfters?
Ja, genügend. Zum Beispiel wurden einmal neue Leitungen verlegt. Bevor man mit der getanen Arbeit fertig war, hat man den Schacht wieder zugeschüttet. Im Wissen, dass man ihn am nächsten Tag wieder aufreißen würde.

Wozu sollte das gut sein?
Arbeitsbeschaffung. Die Leute machen sich teilweise unnötig Arbeit, um den Anschein von Auslastung zu erwecken. Sonst könnte man ja die Arbeitsplätze in Frage stellen.

Meinen Sie, dass am Wirtschaftshof zu viele Leute angestellt sind?
Es würde sicher mit viel weniger Leuten auch gehen. Sicher hat es auch Tage gegeben, an denen etwas sehr schnell zu erledigen war. Aber das war nur punktuell und sehr selten. Vielleicht wäre es besser, wenn man die Anzahl der Mitarbeiter verringert, und falls man wirklich viel zu tun hat, Mitarbeiter von weniger wichtigen Baustellen dazubestellt. Das würde sicher Kosten sparen.