Kommt die S-Bahn Linz-Wels?

Linz 2009 - die einst als schmutzige Stahlstadt in Verruf gekommene Hauptstadt von Oberösterreich ist Europäische Kulturhauptstadt. Die einst verschmutzte Perle an der Donau hat, wie kaum eine andere Stadt in Europa, bewiesen, dass man beides haben kann: eine weltweit bedeutende Industrie und für Österreich Takt gebende Kultur. Mittlerweile ist der Raum Linz-Wels der größte Wirtschaftsraum in Österreich, doch der oberösterreichische Zentralraum bietet mehr als nur Wirtschaft.

548.757 Menschen leben in den Bezirken Linz Stadt und Linz Land, Eferding, Grieskirchen und Wels-Stadt und Land. Unzählige wichtige Betriebe haben ihren Sitz vornehmlich in den Bezirken der Welser Heide. Vor allem die günstige Verkehrslage des Zentralraums macht diese Region für Unternehmen ausgesprochen interes-sant. Zwei der wichtigsten Bahn-strecken in Europa treffen in Wels aufeinander. Der Linzer Hafen ist der größte in Österreich, der Flughafen Linz-Hörsching gewinnt an Bedeutung und die A7 zählt im Stadtgebiet von Linz mit 63.790 Fahrzeugen pro Tag zu den am stärksten frequentierten Straßenabschnitten Oberösterreichs. 89.294 Personen pendeln täglich in die Landeshautstadt Linz, dabei sind sie allerdings meistens auf ein Auto angewiesen. Sollten sich Prognosen bewahrheiten, wonach im Jahr 2020 Linz eine Pendlerflut droht, steht das Land Oberösterreich und die Stadt Linz vor einem großen Problem. Dieses Problem lässt sich aber nicht nur durch den geplanten Westring bewältigen, finden die Grünen, sie fordern schon seit Jahren eine funktionierende Schnellbahn für den Großraum Linz. Schon seit 1992 gibt es konkrete Pläne für die Errichtung einer solchen S-Bahn, die Projekte scheiterten aber immer wieder an Meinungsdifferenzen zwischen dem Land Oberösterreich und der ÖBB wegen der Finanzierung. Heute ist Oberösterreich das einzige Bundesland ohne S-Bahnsystem. Eine Schande für den größten Wirtschaftsraum, denn es gäbe zahlreiche Möglichkeiten ein Liniensystem im Großraum Linz zu errichten. Als nun die ÖBB die Strecke Linz-Urfahr – Aigen-Schlägel einzustellen drohte, wurde man im Landtag wieder aktiv.

Nach derzeitigem Diskussionsstand wird die gesamte Strecke in eine Straßenbahn umgewandelt, um in Linz in das bestehende Straßenbahnsystem ein-gegliedert zu werden. In Linz soll eine zusätzliche Straßenbahnachse ent-stehen, welche über die desolate Eisenbahnbrücke über das UKH in Richtung Unionkreuzung geführt werden soll. Damit sind die Pläne für eine City-S-Bahn Linz gestorben, finden die Grünen. Ein von ihnen publizierter Plan sieht eine normal-spurig geführte S-Bahn über diese Achse vor. Diese Schnellbahn soll über den Europaplatz und das Design Center Richtung Eisenbahnbrücke geführt werden. Hierfür wäre der Neubau einer Straßenbrücke anstatt der restaurierungsbedürftigen Eisenbahnbrücke notwendig. In Urfahr würde die Bahn dann auf den bestehenden Gleisen zum Bahnhof Linz-Urfahr geführt werden.

Aber nicht nur die Mühlkreisbahn muss in das S-Bahnsystem eingegliedertwerden, sondern auch die Strecken von Linz-Hauptbahnhof nach Enns und weiter nach St. Valentin beziehungs-weise Perg, die Summerauerbahn bis Pregarten, die Pyhrnbahn bis Rohr-Bad-Hall und die Westbahn bis Wels auf der einen Seite über Traun und Marchtrenk und auf der anderen Seite über Leonding und Hörsching. Auch der Welser Wirtschaftsbund Obmann Josef Resch forderte kürzlich eine Station am Flughafen Linz-Hörsching, damit würde auch dieser Flughafen an Bedeutung gewinnen. Eine Anbindung an den öffentlichen Verkehr, wie er in Hörsching nicht gegeben ist, ist für einen Flughafen in Europa heute absolute Basis. Auch für die zweit-größte Stadt Oberösterreichs, für Wels, hätte eine S-Bahn durchwegs Vorteile. Ohne lange Wartezeiten könnte man bequem von Perg oder Pregarten in knapp einer Stunde in Wels sein und dies ohne umsteigen zu müssen. Außerdem sind dann Ziele wie der Pichlinger See oder der Oeder See in Traun für die Welser rasch zu erreichen. Damit würde die Region Linz-Wels noch enger zusammen wachsen. Auch die Grundstückspreise in den sehr gefragten Wohngebieten rund um Linz und Wels würden steigen, heißt es von Seiten des Wirtschaftsbundes. Auch einige Privatpersonen machen sich schon Gedanken über ein öffentliches Schienenverkehrssystem im ober-österreichischen Zentralraum, so existieren im Internet einige inter-essante Pläne über eine Schnellbahn, welche die Stadt Linz mit den Umlandgemeinden verbindet. Darunter gibt es auch einen Plan, bei dem die S-Bahn bis Lambach, Sattledt und Bad-Schallerbach geführt wird. Die Real-isierung wäre vor allem für Wels eine große Chance, denn hier könnte man neben den Wohngebieten in der Pernau, der Vogelweide, Laahen und Puchberg auch die Einkaufsmöglichkeiten in Wels-West sowie das Welios schnell erreichen, und dies nicht nur von Wels aus, sondern von ganz Oberösterreich.

Im Moment wird der Pendlerverkehr auf der Schiene durch Regionalzüge bewältigt, dieser bringt allerdings wenig erfreuliche Zukunftsaussichten, finden die Grünen. Über kurz oder lang muss man über ein Schnellbahnnetz nachdenken. Alle 10 bis 20 Minuten soll dann eine S-Bahn jeweils in eine Richtung fahren. Nicht nur für Pendler wäre dies eine starke Erleichterung, sondern auch für Tagestouristen – auf einen schnellen Kaffee nach Wels oder Linz und dies zu guten Preisen wäre dann nicht mehr so umständlich wie im Moment. Zum Einkaufen in Linz oder Wels muss man entweder lange Warte- und Umsteigezeiten in Linz in Kauf nehmen oder sich durch ein Verkehrschaos mit ewig langer Parkplatzsuche quälen. All dies würde durch eine S-Bahn wegfallen.

Bis wann der Druck auf die Landes-regierung so groß ist, dass eine Schnellbahn errichtet wird, steht derzeit noch in den Sternen. Erst langsam beginnt man mit der Planung für ein öffentliches Schienenverkehrssystem in Linz.