Historisch: Wels in der 1. Republik

Der Erste Weltkrieg ist zu Ende - in vielen Teilen Europas herrschen Hunger und Not. Die Wirtschaft liegt in der neu ausgerufenen Republik Deutschösterreich am Boden. Viele Menschen können sich keine Existenz in diesem kleinen Land ohne Kaiser vorstellen. Die kommenden 10 Jahre sind nicht nur für Österreich eine harte Probe. In ganz Europa bleibt die politische Lage gespannt. Aus der ehemaligen k. u. k. Monarchie haben sich viele Länder gegründet, ihre Grenzen stehen noch nicht fest. Erst mit den Verträgen von Saint Germain stehen die Grenzen Österreichs fest.

Am 12. November 1918 wird in Wien die Republik Deutschösterreich ausgerufen. Staatsoberhaupt wird der Sozialdemokrat Karl Renner. Er ist es, der die harten Verhandlungen in Frankreich führt. Sein Land leidet indes an Hunger. Auch in Wels ist das Elend nicht zu übersehen. Zur Hungersnot gesellt sich ab Mitte 1918 die Spanische Grippe, die vielen Welsern das Leben kostet. Im November plündern vom Hunger Getriebene Militärdepots in den Kasernen. Ab 1919 kommt es auch zu Geschäftsplünderungen, für die ohnehin marode Wirtschaft der Todesstoß. Durch die rasante Geldentwertung müssen viele Betriebe schließen, Tausende stehen ohne Arbeit auf der Straße. Ein funktionierendes Sozialsystem existiert nicht.

Am 10. September 1919 unterzeichnet Karl Renner die Verträge von Saint Germain, Österreich muss herbe Gebietsverluste einstecken. Südtirol fällt an Italien, die Untersteiermark an das Königreich der Serben, Kroaten und der Slowenen, die überwiegend deutsch besiedelten Gebiete in Böhmen und Mähren an die Tschechoslowakei. Lediglich Deutsch-Westungarn (das heutige Burgenland) wird Österreich zugesprochen, in Ödenburg (Sopron) sowie in Südkärnten soll die Bevölkerung entscheiden, zu welchem Land sie gehören will. Der Anschluss an Deutschland, den einige politische Kräfte verlangen, wird verboten. Die wirtschaft-liche Lage spitzt sich indes zu. In Wels wird Notgeld ausgegeben, dies verstärkt die Inflation zusätzlich.

Der Hunger der Bevölkerung wird immer größer. Geschäftsplünderungen stehen an der Tagesordnung. Dies nährt die radikalen Kräfte im Land. Deutsch-Nationale und auch Kreise der Sozialisten fordern trotz Verbot den Anschluss an Deutschland. Von den Christlich-Sozialen werden sie als vaterlandsloses Gesindel beschimpft. Die Lage scheint aussichtslos. Auch die Stadt verfügt kaum über Mittel. Nur allmählich bessert sich die Lage, die Währungsreform 1925 entspannt vorübergehend die Situation. Wohlstand ist wieder möglich.

Auch Wels ist in den goldenen 20er Jahren angekommen; wieder ist es die Verkehrssituation, von der Wels profitiert. 1921 schließen sich 15 Unternehmen zusammen und gründen die Welser Industriebahn Gesellschaft. Die westliche Pernau (Untereisenfeld) wird das Industriegebiet der Stadt. Rund um die seit dem 16. Jahrhundert bestehende Papierfabrik siedeln sich einige Betriebe an. Darunter auch das Tigerwerk, 1925 wird auch die legendäre Fleischwarenfabrik Zelger gegründet. Trotz der gebesserten Wirtschaftslage zeichnen sich erste innen-politische Spannungen ab. Der Schutzbund und die Heimwehr entstehen als para-militärische Organisationen. Die Stand-festigkeit der Demokratie wird zunehmend in Frage gestellt. In Wels haben die Sozialisten zwar die Mehrheit, Bürgermeister ist aber dennoch ein Christlich-Sozialer. Eine Arbeiterkultur kann in Wels nicht entstehen. Viele müssen noch unter prekären Umständen auf engstem Raum leben.

Die gute Konjunktur endet mit der Wirtschaftskrise 1929. Sie ist es, die letzten Endes die nächste große Kata-strophe über Europa einläutet. Die 1930er Jahre werden für Österreich das Ende der Demokratie für viele Jahre darstellen.