Die Ära von Bürgermeister Dr. Schauer

Die Ära Dr. Schauer hat der damals bäuerlich geprägten Kleinstadt Wels Auftrieb gegeben: Die Stadt wurde modernisiert, nachhaltige Investitionen für Infrastruktur wurden getätigt. Ein neuer Stadtteil wurde entworfen und schließlich auch realisiert.

Dr. Johann Schauers Gespür für allgemeine gesellschaftliche Entwicklungen, politischer Durchsetzungswille, aber auch sein persönliches Schönheitsideal prägen das Welser Stadtbild noch heute. Die Bauten aus seiner Amtszeit sind steinerne Zeugen einer imperialen Vergangenheit und enthüllen dabei den Kunstsinn eines talentierten Malers und Zeichners.

Liberaler, Advokat, Maler
Der 1840 in Lambach geborene Sohn eines Seilermeisters studierte an der Universität Wien Rechte und an der Akademie der bildenden Künste, ehe Dr. Schauer in den 1870er Jahren in die Welser Stadtpolitik ging. Er war Gründungsmitglied des liberal-politischen Vereins in Wels und Obmann des Welser Verschönerungsvereins, der sich unter anderem für den Bau der Marienwarte verantwortlich zeigte.

Bausektion und Bürgermeistersessel
Unter Bürgermeister Dr. Franz Groß war er ab 1875 als Vorsitzender der Bausektion maßgeblich für die Niederlegung der eng gewordenen Stadtmauern, Auffüllung des Stadtgrabens und Anlegung der Ringstraße verantwortlich. 1887 folgte er schließlich Dr. Groß als Bürgermeister im Amt.

Die Liste der von Dr. Schauer umgesetzten Initiativen ist lang und die Umsetzung oft seiner eigenwilligen Persönlichkeit zu verdanken, welche oft dazu neigte, Mitarbeiter vor vollendete Tatsachen zu stellen.

Villen und Industriebauten
Ab 1888 ließ Dr. Schauer das Gebiet zwischen Bahnhof und Vorstadtplatz (KJ), das im Westen von der Gemeinde Lichtenegg und im Osten von der Gemeinde Pernau begrenzt war, bebauen. In den folgenden zwei Jahrzehnten entstand so das Bahnhofsviertel, welches von prachtvollen Villen, aber auch Industriebauten geprägt war. Diese ungewöhnliche Nachbarschaft war auf die begrenzten Bauflächen im Stadtgebiet zurückzuführen.

Mit Zeichenstift und imperialem Glanz
Schon ab 1878 entstand nach Dr. Schauers eigenhändig entworfenen Plänen Volksgarten, Volksfesthalle (Stadthalle) und das Ausstellungsgelände der Messe. Sein künstlerisches Talent nutzte er immer wieder gekonnt, um seine ehrgeizigen und oft kostspieligen baulichen Ideen der Welser Bevölkerung schmackhaft zu machen.

Seine zahlreichen Bauvorhaben wurden oft mit Darlehen finanziert. Doch durch den langfristigen Mehrwert, den jene Investitionen brachten, verschaffte Dr. Schauers Politik der Stadt Wels eine enorme Aufwertung. Geschickt involvierte er die zeitweise in Wels wohnhafte Kaisertochter Marie-Valerie in seine Bauvorhaben. Oft wurde ihr die Schirmherrschaft angetragen oder sie als Namensgeberin ausgewählt, um den imperialen Glanz politisch für Wels zu verwerten.

Ein neuer Stadtteil entsteht
Nördlich der Westbahn entstand der neue Stadtteil, der vorerst nur aus dem Grünbachplatz bestand. Ab den 1890er Jahren setzten dort rasante Bautätigkeiten ein, die dem ab 1898 als Neustadt bezeichneten Stadtteil bis Kriegsbeginn 1914 das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern, die Herz-Jesu-Kirche und eine Volksschule im Jugendstil beschert hat.

Moderne Versorgungseinrichtungen
Dr. Schauer erkannte um die Jahrhundertwende die Notwendigkeit moderner Versorgungseinrichtungen. 1899 wurde daher die Elektrizitätswerk Wels AG gegründet und das Wasserwerk Traunleiten errichtet. 1902 wurde von der Stadt das Gaswerk erworben.

Lokalbahn
Um das Verkehrsnetz auszubauen, wurden zwei Lokalbahnen angelegt. 1891 wurde die Strecke Wels-Unterrohr gebaut, die jedoch nicht den gewünschten Erfolg brachte, weil der Ausbau nach Steyr von Steyr aus als Schmalspurbahn konzipiert wurde.

1901 wurde die Strecke Wels-Grünau eröffnet. Das Frachtgut war vielfältig: Holz, Zement, Kalk, Gips sowie Produkte von Mühlen und Sägewerken. Bald etablierte sich die Strecke auch als beliebtes Ausflugsziel der Welser an Sonn- und Feiertagen.

Schulbauten
Der Versuch, staatliche Schulen nach Wels zu holen, scheiterte, daher wurde aus eigenen Mitteln ein Gymnasium erbaut, das 1901 eröffnet wurde. Erst 1912 sollte es staatlich werden, jedoch hatte Wels für die Erhaltung des Gebäudes aufzukommen. Auch die Handelsschule wurde 1890 aus öffentlichen Geldern gegründet und erhielt erst 1899 das Öffentlichkeitsrecht.

Die Ära Dr. Schauer endete 1914 mit dem Tod des Bürgermeisters. Seine 27 Jahre als Bürgermeister hinterließen ein im gutbürgerlichen Sinn modernes und lebenswertes Wels, dessen Entwicklung durch den Ersten Weltkrieg leider ein abruptes Ende fand.