Maximilian I – Der letzte Ritter

Das Jahr 2019 steht in der Stadt Wels ganz im Zeichen von Kaiser Maximilian. Des bekannten Monarchen wird vielfältig gedacht. Das Leben und Wirken des “Letzten Ritters”, wie er gern genannt wird, hatte für Österreich und Europa weitreichende Folgen.

Der 500. Todestag Maximilians gibt Einblicke in ein Zeitalter Europas, das von Gebietseroberungen durch Krieg, aber auch umsichtige Heiratspläne eines machtbewussten Adels geprägt war. Eben diese Expansion durch Schwert und Mitgift haben maßgeblich zum Aufstieg des Hauses Habsburg zu einer schöpferischen und dominanten politischen Macht in Europa und sogar darüber hinaus beigetragen.

Kindheit in belagerter Hofburg

Maximilian wurde 1459 als Sohn von Friedrich III., des Kaisers des römischen Reiches und Eleonore von Portugal in Wiener Neustadt geboren. Schon als 3-jähriger erlebte er- schon Erzherzog von Österreich- das zu damaligen Zeiten übliche Kriegsgeschehen, als die Hofburg von der Wiener Stadtregierung belagert und beschossen wurde.

Beginn des habsburgisch-französischen Gegensatzes

Durch die im Vorfeld vereinbarte Hochzeit mit Maria von Burgund erhielt er 1477 den Titel des Erzherzogs von Burgund. Ein Jahr später wurde er zum Ritter geschlagen. Die dynastische Verbindung nach Burgund brachte Konfliktpotenzial, da der Anspruch der Erzherzöge auf Burgund am französischen Hof nicht unumstritten war.

Lange Kriegshandlungen, die erst unter Beteiligung von Maximilians Vater Friedrich befriedet werden konnten, waren die Folge. Und schließlich auch Ausgangspunkt des habsburgisch-französischen Konflikts um die Vorherrschaft in Europa, der Jahrhunderte dauern sollte.

Übergang Mittelalter-Neuzeit

Maximilian häufte aber nicht nur eine Universalmonarchie an, die viele Länder und Völker umfasste, sondern brachte auch am Reichstag in Worms 1495 eine Reichsreform zustande, welche den Übergang vom Mittelalter in die frühe Neuzeit markiert.

Wiedervereinigung der Erblande

1486 wurde Maximilian im Kaiserdom zu Aachen zum römisch-deutschen König gekrönt. Bis zur Kaiserwürde, die ihm 1508 verliehen wurde, hatte der Monarch viel zu tun, um seine Besitztümer zu sichern und auszubauen. 1490 erreichte er die Wiedervereinigung der Erblande, weil Sigmund von Tirol auf seine Regentschaft über Oberösterreich, das damals Tirol und die österreichischen Vorlande umfasste, zu Gunsten Maximilians verzichtete.

Böhmen und Ungarn als Mitgift

Bereits ab 1491 versuchte Maximilian die Kronen Böhmens und Ungarns für das Haus Habsburg zu erwerben. Durch langwieriges Taktieren und schließlich durch günstige Eheschließungen konnte er seiner Dynastie diese Gebiete sichern, auch wenn er es selbst nicht mehr erleben sollte. 1526 fielen Böhmen und Ungarn an Habsburg.

Ein Reich, in dem die Sonne nie untergeht

Einen weiteren Erfolg seiner Ehepolitik konnte er mit dem erfolgreichen Einheiraten in die spanische Thronfolge verzeichnen. Die Doppelhochzeit seiner Kinder mit den spanischen Thronerben sollte Maximilians Enkel Karl V. ein Reich bescheren, in dem sprichwörtlich die Sonne nie unterging.

Spanischer Thron und Spaltung des Hauses Habsburg

Dadurch vollzog sich später aber auch eine Spaltung des Hauses Habsburg in eine österreichische und spanische Linie. Maximilian war es auch nicht gelungen, die deutschen Stände nach dem ersten Einfall der Türken in das Heilige Römische Reich zu einem Krieg gegen das Osmanische Reich zu bewegen.

Schuldenberg des Bürgermeisters von Augsburg

Der prunkvolle Lebensstil des Kaisers, aber auch die vielen Konflikte, in die er verwickelt worden war, führten zu einem immensen Schuldenberg, den er immer wieder durch Kredite von Jakob Fugger abzudecken versuchte.

Die insgesamt 17 Besuche in der Reichs- und Fuggerstadt Augsburg brachten ihm den Spottnamen “Bürgermeister von Augsburg” ein. Er besuchte auch auffallend oft andere Reichsstädte, die bei jedem seiner Besuche hohe Geld- und Naturalienzahlungen leisten mussten.

Hochzeit aus Geldmangel

Dieser chronische Geldmangel brachte ihn schließlich dazu, völlig unstandesgemäß die Tochter eines italienischen Söldnerfürsten, Bianca Maria Sforzas, zu heiraten. Die Mitgift von 400 000 Golddukaten in bar und 40 000 Dukaten in Juwelen dürfte aber mitgeholfen haben, diesen Standesunterschied zu überbrücken.

Der Kaiser als Humanist

Maximilian war hochgebildet und ein Freund des Humanismus. Der Kaiser interessierte sich für Wissenschaft, Literatur sowie Kunst und führte auf der Universität Wien Lehrstühle für Rhetorik, Poetik, Mathematik und Naturwissenschaften ein. Diese humanistische Institutionalisierung war eine Pioniertat.

Der letzte Ritter- Der erste Kannonier

Die vielschichtige Regentschaft von Kaiser Maximilian I. verkörperte den Übergang des Mittelalters in die Neuzeit. Der Beiname “Der letzte Ritter” verkörperte die Ideale des mittelalterlichen Rittertums. Als ein moderner Herrscher wusste er diesen Umstand wirksam zu inszenieren. Sein zweiter Beiname “Der erste Kannonier” weist auf den Übergang in ein neues Zeitalter hin, in dem aus verschiedenen Gründen kein Platz mehr für Ritter war.

Sein menschliches Ende

Der letzte Ritter, erste Kannonier, Kaiser, Renaissance-Mensch und Reformer Maximilian  fand sein menschliches Ende am 12. Jänner 1519 in Wels. Auf einer beschwerlichen Reise von Innsbruck zum Landtag nach Linz verstarb er an einem Schlaganfall oder Darmkrebs, angeblich im Erkerzimmer der Burg Wels. In seinen letzten vier Lebensjahren führte er auf seinen Reisen immer einen Sarg mit sich. Er gab noch genaue Anweisungen an seine Untergebenen, wie sein Ableben als mit Schuld beladener Sünder und Büßer entsprechend  abzuwickeln sei.