Weidinger: „Rasern gehört sofort Auto und Kennzeichen abgenommen.“

Im Gespräch. Mit Andreas Weidinger holt sich die Welser ÖVP einen erfahrenen Polizisten als Spitzenkandidat. Besonders seine Tätigkeit als Chefinspektor beim Verkehrsreferat der Welser Polizei soll ihm auch in der Politik nützen, da das Thema Verkehr und Sicherheit bei Umfragen hoch im Kurs der Bevölkerung liegt.

Herr Weidinger, bei der letzten Gemeinderatswahl hatte die ÖVP mit 17% ein überschaubares Ergebnis. Warum soll das diesmal anders aussehen?

Die letzte Wahl hatte andere Rahmenbedingungen. Viele steckten ihre kompletten Hoffnungen in Andreas Rabl und die FPÖ. Jetzt, 5 Jahre später, gibt es auch bei vielen Ernüchterung.

Die ÖVP hat in Wels eine Art Stadtkoalition mit Rabls FPÖ. Ihre Partei konnte doch auch genügend einbringen.

Hat sie auch, trotzdem sind wir aktuell nur der kleine Juniorpartner, und das Ressort Verkehr ist mit Klaus Hoflehner von der SPÖ besetzt. In diesem Ressort könnte gerade ich viel einbringen. Wir haben in Wels ein Raserproblem und viele kleine Nebenbaustellen in der Verkehrsplanung, wo nachgebessert werden muss.

Zum Beispiel?

Wenn es um Verkehrssicherheit geht. Oft geht es da um Kleinigkeiten wie Verkehrsspiegel an unsicheren Kreuzungen. Hier stellt sich die Stadt oft quer, was für mich unverständlich ist.

Das Problem liegt oft darin, dass es eine Handvoll Querulanten gibt, die über die Planung bestimmen wollen. Das fängt beim Verkehrsspiegel an und endet bei unnützen Geschwindigkeitsbeschränkungen oder Forderungen, im eigenen Wohngebiet die Straßen zu verengen.

Es ist immer eine Interessensabwägung. Aber bleiben wir einmal beim Beispiel Verkehrsspiegel. So etwas kostet nicht viel und stört auch niemanden. Auch eine Lärmschutzwand an der Autobahn stört nicht die Autofahrer, bringt aber eine bessere Lebensqualität für die Anwohner. Es geht eben um Ideen mit Hausverstand.

Kommen wir zu den Rasern. Hier sind sich alle einig, dass hier Handlungsbedarf besteht. Reicht es aus, überall Radargeräte aufzustellen?

Nein, leider. Eine fix verbaute Radaranlage löst das Problem nicht, da den Rasern meist die Standorte bekannt sind und davor abgebremst wird. Wir als Polizei müssen selbst mit der Laserpistole an den unterschiedlichsten Standorten stehen und strafen. Wir werden aber in Kürze die bestehenden Standorte der Radaranlagen analysieren und nicht gut laufende an andere Orte versetzen. Die Technik wird auch immer besser und es gibt schon sehr gute mobile Geräte, mit denen wir flexibler werden und den Tuningfreaks vielleicht auf Dauer doch die Lust an den Autorennen nehmen.

Wenn es mehr Kontrollen gibt, werden aber nicht nur die Raser zur Kasse gebeten, sondern auch leichte Geschwindigkeitsübertretungen gestraft.

Ja, dazu sind wir verpflichtet. Und hier sind wir dann wieder beim Knackpunkt. Dann können sich die Kollegen anhören, warum man den Autofahrer bestraft, der nur 10km/h zu schnell gefahren ist. Dann kommen diese üblichen Sager wie: „Aber die echten Rowdys straft ihr nicht.“

Ist es nicht möglich, bei Schwerpunktkontrollen nur die echten Raser herauszufischen?

Nein, das wäre Amtsmissbrauch. Man könnte sich aber beim Land Oberösterreich stark machen, die Toleranzgrenze wieder auf 10 km/h zu erhöhen. Diese wurde von Landesrat Steinkellner im Jahr 2018 auf 5km/h gesenkt. Wichtig ist, für die echten Raser die Strafen deutlich zu erhöhen und auch eine Raserdatenbank einzuführen. Nicht einsichtige sollten viel schneller den Führerschein verlieren. Diesen gehört auch sofort das Auto samt Kennzeichen abgenommen.

Also ab einer Geschwindigkeitsübertretung von 5km/h muss die Polizei in Oberösterreich strafen?

Ab 6km/h Übertretung wird gestraft. Die Toleranzgrenze bei Radar sind 5 km/h Messtoleranz, 5 km/h Toleranz seitens des Landes – vorher 10 km/h.


Das werden sicher einige Bürger befürworten.

Sicher, bis es sie selbst erwischt. Dann ändert sich schnell die Meinung. Wir hatten schon oft Fälle, bei der wir nach Anrainerbeschwerden in deren Straßen mit dem Radargerät gestanden sind und dann genau diese Anwohner zu schnell gefahren sind. Es gibt immer zwei Seiten der Medaille.

Manche sind in Wels für eine autofreie Innenstadt. Wie würde in diesem Fall die andere Seite der Medaille aussehen?

Dass sich alle Einkaufs- und Fachmarktzentren in der Peripherie freuen, da sie dann die Kunden aus der Innenstadt abziehen. Wir haben in Wels eine schöne FUZO und einen verkehrsberuhigten Stadtplatz mit großer autofreier Zone im Osten. Wo findet man das in Wien außer im ersten Bezirk? Dort verstehe ich es, wenn man in den engen Häuserschluchten außerhalb des Zentrums auch eine autofreie Straße als Mittelpunkt mit Gastgärten und Freiflächen wünscht. Das hat Wels bereits, samt Grünflächen und ein paar Gehminuten zum Naherholungsgebiet an der Traun.

Wo wohnen Sie in Wels?

In der Noitzmühle. Ein Stadtteil, der zu Unrecht so einen schlechten Ruf hat. Wir wohnen hier eigentlich mitten im Grünen mit sämtlicher Infrastruktur und sind in ein paar Minuten mit Auto und Fahrrad in der Stadt.

Apropos Fahrrad. Sollen die Radwege ausgebaut werden?

Ja, wenn man nicht Auto- und Radfahrer gegeneinander ausspielt. Es wird nämlich oft vergessen, dass Radfahrer auch an einem anderen Tag Autofahrer sein können. Und alle sollen sich gut bewegen können. Ein durchgehendes Radwegenetz wäre aber auch für die Verkehrssicherheit ein großer Gewinn.

Kommen wir am Schluss noch zu einem sehr wichtigen Thema: Drogenkriminalität. Videoüberwachung, Polizei am KJ und Ordnungswache haben das Problem nicht gelöst.

Law & Order hilft bei Leuten nicht, die süchtig sind. Die sogenannten „Junkies“ rund um den KJ sind Menschen mit einer Krankheit. Und eine Krankheit verschwindet nicht, nur weil man sie verbietet oder stärker überwacht. Das muss die Politik einmal verstehen. Wie bekämpft man Krankheiten? Durch Prävention und durch gute Behandlungsmöglichkeiten. Man müsste den Süchtigen abseits der Innenstadt eine Einrichtung zur Verfügung stellen, in der sie sich unter Aufsicht und mit sauberen Spritzen ihre Dosis geben. Auch Möglichkeiten zur Überprüfung der Substanzen sind wichtig, da die Streckmittel oft gesundheitsschädlicher als die Droge an sich sind.

So eine Einrichtung würde bei einigen Bürgern Empörung auslösen. Es würde vielleicht heißen, man unterstützt die Süchtigen noch in ihrem Konsum.

Davor hat die Politik Angst. Das Ergebnis ist aber, dass sich die Süchtigen weiterhin auf vielfrequentierten Plätzen treffen, dealen und dann in privaten Innenhöfen oder WCs konsumieren. Ich frage die Bürger: Ist es Ihnen lieber, dass neben Ihren Kindern gedealt wird, oder dass wir die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Konsumationsräume schaffen und somit die Problematik am KJ und dessen Seitenstraßen entschärft wird?

Wo wäre so ein Konsumationsraum denkbar?

Nicht in der Innenstadt, in keinem Wohngebiet, aber gut mit Öffis zu erreichen. Es gibt genügend Ecken oder Gebäude in denen dies möglich sein könnte. In so einer Gegend wäre der Standort optimal.

Andreas Weidinger wurde am 29. August 1968 in Wels geboren. Nach einer Lehre als Großhandelskaufmann und dem Präsenzdienst wurde er 1989 Polizeibeamter und arbeitete sich bis zum Chefinspektor hoch. Heute leitet er das Verkehrsreferat bei der Welser Polizei. Seit 2003 sitzt er für die ÖVP im Welser Gemeinderat. Der verheiratete Vater von drei erwachsenen Kindern lebt im Welser Stadtteil Noitzmühle.